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Produktfotografie und Freisteller

Das fotografische Verständnis für Billard

Geschrieben von Oliver Preißner

Was hat Fotografie mit Billard zu tun? - Eigentlich ganz einfach:

Vorausgesetzt man verfügt über die nötige Zeit und die nötige fotografische Ausrüstung, ist die technische Entwicklung heute so weit, dass man mit jeder halbwegs vernünftigen Spiegelreflexkamera gute Produktfotos schießen kann. Mit ein paar standardisierbaren Einstellungen für Blende und Belichtungszeit holt jede DSLR erst einmal das für das verwendete Objektiv und den Kamerachip Machbare aus jeder Lichtsituation heraus.

Denkt man bei der Bildproduktion leidenschaftslos wirtschaftlich, dann ist man mit einem aktuellen Kameramodell mittlerer Preisklasse von Canon oder Nikon gut beraten, nicht zuletzt weil es für diese beiden Marken auch eine Vielzahl unterschiedlicher Objektive gibt. Ein praktisches "Immerdrauf"-Zoom, eine mittlere Festbrennweite und ein gutes Makroobjektiv gehören zur Grundausstattung jedes vielseitigen Produktfotografen.

In der Produktfotografie entscheiden aber eigentlich nicht die technischen Voraussetzungen über das Gelingen einer Fotoaufnahme, sondern vielmehr eine gelungene Lichtsetzung.

Hier erkläre das Wesen der Lichtsetzung gerne mit einem klassischen Billardspiel, bzw. dem physikalischen Gesetz der Lichtreflexion, kurz formuliert: "Einfallswinkel = Ausfallswinkel". Legt man also z.B. einen Gegenstand mit einer flachen Oberfläche auf den Fototisch, dann kommt das Licht oder der Schatten, welchen die Kamera auf seiner Oberfläche aufzeichnet, im Wesentlichen nicht von den typischerweise seitlich stehenden Lichtquellen, sondern von der hinter dem Objekt befindlichen Lichtquelle. Mit dieser Erkenntnis lässt sich wie beim Billardspiel eine Lichtquelle, wie auch eine Abschattung zielgerichtet positionieren. Der Billardstoß kommt in diesem Fall von der rückwärtigen Lichtquelle, prallt in der Theorie auf dem Fotoobjekt auf dem Tisch im gleichen Winkel ab und landet präzise in unserer Fotolinse...

Klar, die Realität im Fotostudio ist weitaus komplexer, da kein Artikel so optimal geformt ist, sodass der Lichtstrahl so perfekt reflektiert wird. Zudem spielt auch der Strahlensatz der Geometrie eine Rolle für die notwendige Größe der Lichtquelle in Abhängigkeit vom Abstand und den Dimensionen des Objektes. Billard als mögliches Erklärungsmodell ist für viele Anwender jedoch wesentlich einfacher zu verstehen, als irgendwelche Gesetzmäßigkeiten der Elementargeometrie.

Als fotografischer Laie, für den das jetzt alles ziemlich logisch und einfach klingt, würden Sie sich wundern, wie viele gelernte Fotografen verzweifelt an ihren Lichtaufbauten herumprobieren, um irgendeinen bestimmten Effekt oder eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Wenn man dann zumindest schon einmal weiß, wo man mit der eigentlichen Suche und den Änderungen im Aufbau anfangen muss, ist das Billardspiel ein recht einfaches und praktisches Gedankenmodell für den lichttechnischen Grundaufbau, wie auch eine spätere Fehlersuche.